Hobby: Pilze sammeln

Tipps für den Einstieg

Frische Luft, Bewegung, Natur genießen.

Einfach mal dem Alltag entfliehen. Das perfekte Hobby, um den Kopf frei zu kriegen. Doch wo fange ich an? Es gibt so viele verschiedene Pilze und die Gefahr, sich zu vergiften, schwirrt immer im Hinterkopf.

Keine Angst! Es gibt einige leicht kenntliche Speisepilze, die auch gern in größeren Mengen wachsen. Doch bevor wir uns den essbaren Pilzarten zuwenden, sollten wir uns mit den Basics befassen.

Wann ist Pilzsaison?

Die Pilzsaison beginnt am 1. Januar und endet am 31. Dezember. Wie? Du dachtest es gibt nur Pilze im Herbst? Ganz im Gegenteil: Pilze kann man das ganze Jahr finden. Der Vorteil ist natürlich, dass man im Hochsommer oder im tiefsten Winter nahezu allein im Wald unterwegs ist. Allerdings sollten sich Neueinsteiger wirklich zunächst im Herbst auf Speisepilzsuche begeben. Zu dieser Zeit kann man die beliebten Klassiker finden. Während der Hauptsaison ist in der Regel die Artenvielfalt am größten. Wann ist denn nun ,,Hauptsaison‘‘? Der Höhepunkt der Pilzsaison liegt meist im September/Oktober. Je nach Wetterlage kann es aber auch vorkommen, dass sich dieser Zeitraum nach vorn oder hinten verschiebt. So kann die Hauptsaison schon Anfang August voll durchstarten oder auch erst im Dezember zur Ruhe kommen.

Woher weiß ich, wann es Zeit ist, in den Wald zu gehen?

Pilze entwickeln ihre Fruchtkörper meist in Wachstumswellen. Das bedeutet, kurzzeitig stehen einige Wälder voller Pilze und ein paar Tage später ist von diesem Wachstumsschub nichts mehr zu sehen. Um Erfolg zu haben, bleibt dem Pilzsammler nichts anderes übrig, als so oft es geht verschiedene Wälder zu besuchen. Wer im Herbst etwas die Medien verfolgt, wird feststellen, dass es eigentlich jedes Jahr eine Zeit gibt, in der über das derzeitige Pilzwachstum berichtet wird. Das ist dann der Startschuss für die meisten Leute, ihre Pilzstellen im Wald zu besuchen. Dann stehen die Straßenränder im Wald voller Autos und mit der Ruhe ist es vorbei.

Wo soll ich suchen?

Ich erwähnte gerade das Wort ,,Pilzstellen‘‘. Was ich damit meine? Die meisten Pilzsammler haben über die Jahre Stellen im Wald entdeckt, die sich als besonders erfolgversprechend erwiesen. Diese Stellen sind für viele Pilzsammler ein wohl gehütetes Geheimnis. Neueinsteiger müssen sich solche Stellen natürlich erst einmal erschließen. Da hilft wieder nur, fleißig immer wieder Waldspaziergänge zu machen und die Augen offen zu halten. Gute Standorte aufzutreiben ist gar nicht so schwer, wenn man weiß, wo man genauer hinschauen sollte. Laub- oder Nadelwald? Das ist erst einmal völlig egal, wobei die Suche im Nadelwald für das ungeübte Auge oft einfacher ist. Suche Bereiche auf, die möglichst wenig Unterwuchs aufweisen. Oft verlassen unerfahrene Pilzsucher frustriert den Wald, weil sie einfach an Standorten suchen, die voller Brennnesseln oder Brombeeren sind. Solche Bereiche können zwar auch Erfolg bringen, sind für die Speisepilzklassiker allerdings eher ungeeignet. Im Nadelwald zum Beispiel sollten zunächst Bereiche aufgesucht werden, die schön flächig mit Moos bewachsen sind.

Wo darf man eigentlich Pilze sammeln?

Das Betreten des Waldes ist in Deutschland grundsätzlich überall dort erlaubt, wo es nicht durch Schilder o.ä. verboten oder einfriedet ist. In geschützten Bereichen wie Naturschutzgebieten ist das Sammeln und Verlassen der Wege oft untersagt. Diese sind i.d.R an entsprechenden Hinweisschildern zu erkennen. Hier musst du dich im Vorfeld über die Bestimmungen informieren.

Achte außerdem darauf, dass aktuell kein Forst- oder Jagdbetrieb in deinem Wald stattfindet [Motorsägengeräusche, über den Weg gespanntes Warnband].

Wonach sollte ich Ausschau halten?

Achte beim Durchstreifen geeigneter Bereiche am besten auch auf unbekannte Pilze. Steht der Wald völlig leer, ohne ein Pilz weit und breit, bist du womöglich zur falschen Zeit am falschen Ort. Vielleicht ist es zu trocken, Pilze brauchen genügend Regen. Oft ist es sinnvoll, einfach mal das Gebiet zu wechseln. Nur weil hier nichts los ist, heißt das nicht, dass es im benachbarten Wald genauso aussieht. Sind jedoch stellenweise einige Pilze zu entdecken, macht es durchaus Sinn sich hier etwas genauer umzusehen.

Was brauche ich als Pilzsammler?

Du möchtest Pilze sammeln und brauchst dafür natürlich ein geeignetes Sammelbehältnis. Dafür eignet sich am besten ein luftiger Korb. Ein klassischer Weidenkorb hat sich dafür bestens bewährt. Verzichte bitte auf geschlossene Behälter und Plastiktüten. Die gesammelten Pilze müssen luftig transportiert werden, da sie unter Luftabschluss sehr schnell verderben. Was du außerdem dabeihaben solltest, ist ein Messer. Damit kannst du unbekannte Pilze unbeschadet entnehmen und sie anschließend untersuchen. Außerdem kannst du mit einem Messer die gesammelten Pilze direkt vorsäubern. Sauberes Sammeln erspart viel Arbeit und Frust zuhause. Dafür gibt es im Handel übrigens auch spezielle Pilzmesser mit eingebauter Bürste – sehr praktisch! Denke bitte im Wald auf geschlossene Schuhe und lange Hosen – Zeckengefahr! Dann kann es auch schon losgehen!

Herausdrehen oder abschneiden?

Als Einsteiger empfehle ich dir, die Pilze immer komplett zu entnehmen. Wichtige Bestimmungsmerkmale findet man häufig an der Stielbasis (unterster Teil des Stiels). Außerdem stecken viele Pilzarten tief im Boden, sodass man beim Abschneiden einen großen Teil des Fruchtkörpers im Wald lassen würde. Wir wollen ja nicht verschwenderisch sein. Was ist schonender für den Pilz? Mache dir keine Sorgen, dem Pilz ist das völlig egal! Pilze sind äußerst robuste Organismen, die als Myzel im Boden unter unseren Füßen leben. Die ,,Pilze‘‘ die wir ernten, sind nur die Fruchtkörper – vergleichbar mit einem Apfel am Baum. Dem Baum ist es auch egal, wie wir den Apfel ernten. Der Baum lebt weiter und produziert im nächsten Jahr neue Äpfel. Biologisch gesehen ist der Vergleich nicht ganz korrekt aber so ähnlich kann man sich das bei den Pilzen auch vorstellen.

Welche Pilze sollte ich lieber im Wald lassen?

Hast du Speisepilze gefunden, solltest du kritisch die Qualität beurteilen. Die meisten Pilzvergiftungen sind eigentlich ,,unechte‘‘ Vergiftung und auf verdorbene Pilze zurückzuführen. Gerade bei den Röhrlingen wird leider viel zu selten auf die Qualität geachtet. Fühlen sich deine gesammelten Pilze wirklich noch schön fest an? Mache bei Röhrlingen schon im Wald den Fingertest: Tippe mit der Fingerspitze auf die Huthaut (auch am Rand). Lässt sich der Hut leicht eindrücken, hat der Pilz vermutlich bereits mit der Eiweißzersetzung begonnen und ist nicht mehr für Speisezwecke geeignet. Achte auch besonders auf einen weißlichen Belag, der sich zuerst auf den Röhren bildet. Auf Röhrlingen siedelt sich auch im jungen Alter häufig giftiger Goldschimmel (Hypomyces chrysospermus) an. Diese Pilze auf keinen Fall verwenden! Machen deine Pilze allgemein einen frischen Eindruck? Benutze auch deine Nase: Verdorbene Pilze riechen oft unangenehm. Lasse auch Fruchtkörper im Wald, die stark angetrocknet sind oder irgendwie matschig wirken. Pilze werden gern von Insekten befallen. Maden sind hier wohl das größte Problem. Zwar sind die kleinen Tierchen an sich sicherlich unbedenklich, bei starkem Befall sollte man aber auf den Verzehr verzichten.

Ich bin mir nicht ganz sicher, ob ich die richtigen Pilze gesammelt habe.

Ganz klarer Fall! Wer selbstständig Pilze in der Natur sammelt, muss sich 100% sicher sein, dass es auch die Richtigen sind. Hast du geringste Zweifel, verzehre die Pilze bitte nicht! Wende dich an einen Pilzberater in deiner Nähe! Dieser kann dir die Funde bestätigen und deine Zweifel ausräumen.

Die Teilnahme an einer geführten Lehrwanderung ist außerdem eine gute Möglichkeit, neue Pilzarten kennenzulernen und wichtige Praxiserfahrung zu sammeln.

Mit welchen Pilzen sollte ich als Einsteiger beginnen?

Hierfür habe ich eine kleine Liste erstellt, in der du häufige Pilzarten unserer Wälder wiederfindest. Diese beginnt mit leicht erkennbaren Speisepilzen für Einsteiger und steigert sich nach und nach in der Schwierigkeit.

Pilzberatung Phillip Buchfink

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